Ewig herzliche Römer

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Herzlichkeit pur: Luftballons in einer kleinen Gasse mitten im Centro Storico Roms

Rom? In diesen Moloch der Großstadt willst du dich begeben? Diese Frage habe ich in den vergangenen Wochen zu oft gehört. Der Verkehr! Der Lärm! Die Touristen! Das ist doch alles total unpersönlich. Der ewigen Stadt mal einen Besuch abstatten – natürlich, ein Muss sogar. Doch dort leben? Nie.

Ja, der Verkehr ist gewöhnungsbedürftig. Ja, der Lärm ist manchmal ohrenbetäubend. Ja, die Touristen stehen einem ständig im Weg und man findet sich nach fünf Jahren Rom sicher in fünf Millionen Familien-Fotoalben verewigt wieder. Aber unpersönlich? Nein. Nicht diese Stadt. Nicht Rom.

Die Römer sind die höflichsten und zuvorkommendsten Großstädter, die ich kennengelernt habe. Sie weisen dem Fremden freundlich den Weg und in den Geschäften ist ein kleiner Plausch mit den Verkäufern keine Seltenheit. Aber was wirklich das Herz des Beobachters erwärmt, ist die ehrliche Rücksichtnahme, mit der die Römer sich gegenseitig begegnen. Touristen hin oder her.

Ein Beispiel: Die Straßenbahn 8, die von der Piazza Venezia in Richtung Trastevere fährt, ist brechend voll. Wie eigentlich jeden Nachmittag. Ein älterer schon leicht gebrechlicher Herr schiebt sich dennoch durch die Türe ins Innere des Wagons. Die junge Frau, die bis zu diesem Moment noch unbeteiligt in ihr Handy gestarrt hat, springt auf: Prego, signore! Prego – vuole sedersi? (Bitte, der Herr, wollen Sie sich nicht setzen?). Er winkt ab. No, no, grazie, va bene. Sie lässt nicht locker: Signore, prego, io insisto! (Mein Herr, ich bitte Sie, ich bestehe darauf!). Ihre Stimme ist nun derart bestimmt, dass der alte Mann sich geschlagen gibt und auf dem frei gemachten Sitz zwischen der Menge Platz nimmt.

Er bedankt sich vielmals. Immer wieder. Die Dame, die ihn begleitet, beginnt sofort ein Gespräch mit der jungen Frau über diese nette Geste und darüber, dass sie das sehr zu schätzen wisse. Da meldet sich der alte Mann wieder zu Wort: Geben Sie mir Ihre Hand – flüstert er der jungen Frau zu. Sie streckt sie entgegen, er nimmt sie zwischen seine Hände, beugt sich vor und haucht einen Kuss auf deren Rücken. Nicht anbiedernd. Nicht lüstern. Nicht zu privat. Schlicht ein Ausdruck tief empfundener Dankbarkeit. Und nahezu filmreif. Ihr Römer – ich freue mich auf euch.

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