Kulturkampf um ein Fleischpatti

Heute: Blick nach Norden, ins schöne Florenz…

Monatelang zog sich der Streit. Jetzt hat der Gemeinderat von Florenz sich entschieden. Und zwar dagegen. Dagegen, dem Fast-Food-Riesen McDonalds die Eröffnung einer Filiale am zentralen Domplatz der Stadt zu genehmigen. Burger, Coca Cola und der dazu gehörige Kapitalismus am Fuße der großen Kuppel von Brunelleschi, dem Wahrzeichen der Renaissance? Nein. Das ginge nun wirklich nicht. Das Unesco-Weltkulturerbe müsse rein gehalten werden von solch einem Kommerz, heißt es. Die Banalisierung von Kulturgütern müsse endlich ein Ende haben.

Dabei war McDonalds der Stadt mit seinem Konzept für den Laden, in dem bisher ein nun pleite gegangenes Sportgeschäft seinen Sitz hatte, bereits entgegen gekommen: Fleisch von den ältesten Rinderrassen Italiens sollte serviert, Wein aus der Toskana ausgeschenkt, das Essen an den Tisch gebracht werden. Selbst eine Bibliothek soll geplant gewesen sein.

Damit wollte der US-Konzern den neuen Regeln der Stadt genügen: Vor drei Monaten wurde ein Gesetz erlassen, das Neueröffnungen von Lokalen nur noch gestattet, wenn mindestens 50 Prozent der für Speisen und Getränke verwendeten Lebensmittel aus der Toskana stammen. Damit will Florenz einem Trend entgegen wirken, der viel Städte Italiens heimsucht: Immer mehr traditionelle Geschäfte und Restaurants verschwinden aus den Gassen, Döner-Buden, Mini-Supermärkte und eben Fast-Food-Restaurants machen sich stattdessen breit. Das soll ein Ende haben. In der Renaissancestadt soll zumindest wieder etwas Ess-Kultur in die Straßen und auf die Tische gebracht werden. Da kam McDonalds mit seinem Anliegen gerade recht. Da der Burger-Riese auch mit seinem angepassten Konzept die 50-Prozent-Regel nicht einhalten konnte, beantragte er eine Sondergenehmigung.

Proteste gegen den Fast-Food-Riesen hatte es auch schon in Rom gegeben. Vor 30 Jahren. Als dort die erste McDonalds-Filiale Italien in der Nähe der Spanischen Treppe eröffnet hat. Doch seitdem haben sich die Italiener eigentlich an das große gelbe M gewöhnt. Auch wenn sie eher nicht zu den Stammkunden zählen. Warum auch, in dem Land, aus dem schließlich die Pizza und das Gelato stammen! Wer braucht da noch Chicken McNuggets, BigMacs oder McFlurry. Fragt man heute in Rom jemanden, wo in der ewigen Stadt der McDonalds ist – und trifft dabei zufällig auf einen tatsächlichen Römer – er wird nur stumpf den Kopf schütteln. „Ne, sorry, keine Ahnung, ich war da noch nie.“

Dennoch: Bei Kindern und vor allem bei den Millionen Touristen, die täglich durch Italiens Städte schlendern, ist das überall gleich schmeckende Fleischpatti sehr beliebt. 534 Filialen der Fast-Food-Kette gibt es bereits im ganzen Land. Neun davon in Florenz. Man beschäftige 300 Menschen, beschwerte sich daher der Geschäftsführer von McDonalds in Italien, Roberto Masi, in der Zeitung „La Repubblica“ über die Entscheidung. Erzürnt ist er vor allem darüber, dass der linke Bürgermeister der Stadt, Dario Nardella, anfangs wohl hinter dem Konzept gestanden habe. „Ich habe dann aber auf meine Stadt gehört“, rechtfertigt der sich in den lokalen Medien.

Gegessen ist das ganze noch nicht: McDonalds kündigte an, sein Konzept noch einmal anpassen und notfalls gegen die Entscheidung vor Gericht ziehen zu wollen.

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