Römer, kauft euch eure Stadt schön!

Hässlich. Ekelhaft. Vermüllt. Dieses Bild zeichnet Rom dieser Tage – das Problem mit dem Müll bekommt die italienische Hauptstadt noch immer nicht in den Griff. Doch vieles in Rom erstrahlt heute wieder in neuem Glanz: Das Kolosseum, der Trevibrunnen und bald auch die spanische Treppe. Die Stadt, die einen Schuldenberg von circa 13,6 Milliarden Euro aufgehäuft haben soll – der Berg ist wohl so hoch, dass ihn genau niemand beziffern kann oder mag – könnte sich die Restaurierung der Denkmäler allerdings nie leisten. Daher springen seit geraumer Zeit die ein, die qua Amt einen Sinn für das Schöne haben. Römische Luxuslabels.

Das Familienunternehmen Tod’s, vor allem bekannt durch seine klassischen Leder-Mokassins mit den Gumminoppen an der Sohle, ist gleich ganz groß eingestiegen. 25 Millionen Euro hat der Chef des Unternehmens, Diego Della Valle, 2013 für die Restaurierung des Kolosseums bereit gestellt. Die erste Etappe der Arbeiten, die Säuberung der Fassade, ist nun nach rund drei Jahren, abgeschlossen. Die Abgase des Großstadverkehrs hatten den Kalkstein schwarz werden lassen – nun strahlt er wieder in sauberem Beige den Touristenscharen entgegen.

Diese erste Errungenschaft wurde natürlich ausgiebig gefeiert – Regierungschef Matteo Renzi, Kulturminister Dario Franceschini und der Schuh-Unternehmer Della Valle selbst trafen sich zu diesem Anlass Anfang Juli zu einer Zwischenbilanz. Im Kolosseum. „Es ist eine schöne Sache für Italien“, sagte Della Valle. „Dieses Denkmal repräsentiert das Land“. So wie auch seine Schuhe die italienische Mode repräsentieren. Aber das hat er nicht gesagt.

Über das Sponsoring des Modeunternehmens gab es im Vorfeld – und gibt es bis heute – Uneinigkeit. Immerhin bekommt Tod’s auch etwas für sein Engagement: die werblichen Nutzungsrechte für das berühmteste Denkmal der ewigen Stadt. Allerdings begrenzt auf 15 Jahre. Schon eine Abschwächung der eigentlichen Vereinbarung, die Della Valle 2013 mit dem damaligen Bürgermeister Roms Ignazio Marino (Partito Democratico) getroffen hatte. Da war noch von einem Tod’s-Firmenlogo an der beliebten Touristenattraktion die Rede.

Es hagelte Beschwerden von Verbraucherschützern und Bürgerinitiativen. Streitereien um die Auftragsvergabe und Gerichtsverfahren folgten und verzögerten den Beginn der Restaurierungen. Schließlich einigte man sich, der Schuh-Mogul hat wohl auf einige Vermarktungsrechte verzichtet.

Aber auch die heutige Regelung ist vielen noch immer ein Dorn im Auge. So hat der italienische Rechnungshof Anfang dieser Woche im Rahmen einer Untersuchung der Wahrung kultureller Werte durch öffentlich-private Finanzierung darauf hingewiesen, dass die Restaurierung des Kolosseums dem Zeitplan hinterherhinke und es außerdem keine Klarheit wegen der Vermarktungsrechte gäbe.

So habe Tod’s eigentlich die Nutzungsrechte nur für die Zeit der Restaurierung, die weiteren 15 Jahre lägen bei den „Amici del Colosseo“ (den Freunden des Kolosseums). Dies ist jedoch kein Zusammenschluss besonders kulturbegeisterter Römer, sondern eine von Della Valle selbst ins Leben gerufene Organisation. Rechnet man die Summe von 25 Millionen Euro auf die 15 Jahre exklusiver Nutzungsrechte also runter, so moniert der Rechnungshof, lägen diese bei nur 1,25 Millionen Euro pro Jahr. Aus dem Ministerium für Kulturgüter und Tourismus gab es dazu keinen Kommentar.

Von Tod’s heißt es, die Verzögerungen seien auf eine Änderung im Gesetz zur Auftragsvergabe zurückzuführen. Deshalb müsse nun einiges überarbeitet werden – man sei aber nur wenige Monate in Verzug. In zwei weiteren Etappen sollen nun die Untergrundpassagen und die Rundgänge im Inneren des Amphitheaters erneuert werden. Auch ein neues Ticketbüro und einen Buchladen soll es bald geben. Alle Arbeiten werden in zwei Jahren beendet sein, so das Unternehmen.

Die Initiative „Emergenza Cultura“ (Notfall Kultur) kritisiert, dass so vor allem die Bauwerke und Einrichtungen im Vordergrund von Investitionen stehen, die sich vermarkten lassen. Museen, Bibliotheken, archäologische Ausgrabungsstätten hätten dadurch das Nachsehen.

Andere haben mit dem Sponsoring keine Probleme. Regierungschef Matteo Renzi und sein Kulturminister loben die Initiative. „Wir müssen aufhören mit den Streitereien über das kulturelle Erbe Italiens“, sagte Renzi bei der Feier Anfang Juli im Kolosseum. Tod’s-Chef Della Valle sei ohnehin eher diskret und aufgeklärt, heißt es in Kulturkreisen. Der Unternehmer ließ selbst einmal erklären: Eine Modenschau von Tod’s im Kolosseum – so etwas werde es nie geben.

Da gehen andere Modehäuser weniger diskret mit ihren Rechten um, die sie sich durch das Sponsoring einer Restaurierung erworben haben. Und das bei weitaus weniger monetärem Einsatz.

Der Trevibrunnen beispielsweise wurde Anfang Juli zum Spektakel der besonderen Art. Die Modemarke Fendi feierte dort ihren 90. Geburtstag. Mit einer exklusiven Modenschau. Im Brunnen. Dafür wurde die Touristenattraktion etwa eine Woche lang lahm gelegt. Das Wasser abgestellt, ein durchsichtiger Laufsteg aus Plexiglas in eben jenem Becken aufgebaut, in dem sich einst Anita Ekberg so ansehnlich räkelte.

Wo jeder Tourist, der auch nur so aussieht, als überlege er, einen Finger in den Brunnen zu halten, von strengen Aufsehern per Trillerpfeife schon am Gedanken daran gehindert wird, flanierten die Models von Fendi wie selbstverständlich über das Wasser. Warum? Weil sie es durften.

Fendi hat die Restaurierung des Touristenmagneten bezahlt, die im November vergangenen Jahres fertig gestellt wurde. Für rund 2,2 Millionen Euro ein echtes Marketing-Schnäppchen. „Ein Akt der Liebe von Fendi zu Rom“, hatte es Pietro Beccari, der Projektbeauftragte bei Fendi das Sponsoring bezeichnet. Zur Modenschau waren allerdings nur geladene Gäste erwünscht. Satt Touristenmassen tummelten sich an diesem Abend Stars wie die US-Schauspielerin Kate Hudson um den Brunnen.

Ähnliche könnte es bald auf der Spanischen Treppe zugehen. Auch die wird seit Dezember vergangenen Jahres generalüberholt – Geld dafür, 1,5 Millionen Euro, kommt vom Juwelier Bulgari.

 

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