Basta!

Wahlkampf ist nicht nur schmutzig, wie das Beispiel US-Wahl in den vergangenen Wochen und Monaten beeindruckend bewiesen hat. Wahlkampf ist vor allem auch hektisch. Da kann es schon mal passieren, dass einem etwas Entscheidendes abhanden kommt. Sei es Moral, Fairness oder einfache nur ein simpler Buchstabe.

So geschehen in Italien. Hier kämpft Ministerpräsident Matteo Renzi derzeit darum, dass das Volk in einem Referendum am 4. Dezember seine Verfassungsänderungen absegnet. „Basta un si“ lautet der Slogan der Befürworter schlicht. „Es reicht ein ja.“

Es reicht aber nicht, entschied das Team um Renzi, nur die Bürger im Inland auf seine Seite zu bringen. Und so verschickte die Si-Truppe etwas Werbung in eigener Sache an die rund 4,8 Millionen im Ausland lebenden Italiener. Auch ihnen wollte Renzi zurufen: Es reicht ein Ja! Um sich darüber zu informieren, warum ein simples „ja“ reicht, wurde sogar eigens eine Internetseite eingerichtet: www.bastaunsi.it.

Nun ist in der Hektik, oder auf dem Weg ins weite Ausland, eines auf der Strecke geblieben: das N. So werden die Wähler in der Ferne auf die Internetseite www.bastausi.it verwiesen. Der Fauxpax ist bereits erkannt und behoben: Gibt jemand tatsächlich die falsche Webadresse ein, wird er freundlicherweise doch auf die Kampagnen-Seite der Befürworter der Verfassungsänderungen weitergeleitet. Man hat kurzerhand diese Domain gekauft und eine Umleitung eingerichtet. Basta.

„Es reicht“ sagen nun allerdings auch die Gegner der Verfassungsänderung, die ebenfalls seit Wochen auf den Piazzas des Landes unterwegs sind und unermüdlich darum kämpfen, das Zweikammersystem beizubehalten und die von Renzi geplante Zentralisierung der Politik zu verhindern. Statt Häme und Spott über das fehlende N, hagelt es von Seiten der Nein-Verfechter vor allem mächtig Kritik: Wenn der Regierende Partito Democratico diese Adressen für seine Wahlwerbung nutzt, möchten das natürlich auch die Gegenseite für ihr Anliegen tun dürfen. Allen voran die vordergründig sehr auf Transparenz pochende Fünf-Sterne-Bewegung um den Ex-Komiker Beppe Grillo geht mal wieder auf die Wahlkampf-Barrikaden.

Es wird knapp. Derzeit sehen die Umfragen mal das eine mal das andere Lager vorne. Ob es tatsächlich reicht, du gebrauchst als Premierminister den Zugang zu den Adressen der im Ausland lebenden Italiener, um für deine Sache zu werben, wird sich am 4. Dezember zeigen.

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