Badeurlaub im Fettnapf

Wenn einer eine Reise tut – sollte er seinen Verstand nicht zu Hause vergessen. Sonst besteht die Gefahr, dass der Urlaub nicht im Strandbad, sondern in dem einen oder anderen Fettnapf, oder schlimmer, vor Gericht endet. Wie der Thailandurlaub der Italiener Tobias G. (20) und Ian G. (18). Sie wurden am Dienstag in Bangkok zu einer Geldstrafe verurteilt und hatten damit mächtig Glück: Eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren stand im Raum.

Was war geschehen? In der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten die jungen Männer aus Südtirol in Krabi im Süden des Landes fünf vor einem Einkaufszentrum gehisste thailändische Flaggen heruntergerissen. Die Aufzeichnung der Überwachungskamera zeigt die beiden, wie sie danach lachend – und schwankend – ihres Weges ziehen. Kurze Zeit später landen sie in den Händen der Polizei, das Video im Internet. Hunderte thailändische User machen ihrem Ärger über die Beleidigung ihrer Nation in Kommentaren Luft.

Dass sich Thailand nach dem Tod von König Bhumibol am 13. Oktober noch immer in Staatstrauer befindet und Touristen daher aufgerufen sind, mehr als ohnehin auf angemessenes Verhalten zu achten, hätten die Italiener auf der Homepage ihres Außenministerium erfahren können. Sie wussten es wohl nicht. Auch nicht, dass man mit Flaggen grundsätzlich keine Scherze treibt.

Was sie schnurstracks in den nächsten Fettnapf befördert: Um die Chancen auf eine milde Strafe zu erhöhen, wenden sich die sichtlich Reumütigen in einem weiteren Internet-Video an die Öffentlichkeit. „Wir lieben Thailand und das thailändische Volk, es tut uns so leid“, sagen sie auf Englisch, die Hände in respektvoller Geste vor der Brust zusammengedrückt. Und sie erklären: „Wir haben das nicht gewusst. In unserem Land ist die Flagge nicht so wichtig.“

Andere Länder, andere Sitten? Wohl kaum! Ein erneuter Sturm der Entrüstung bricht über sie herein – diesmal aus der Heimat. „Italiener? Sie so zu nennen ist eine Beleidigung“, schreibt ein Nutzer unter einen Online-Artikel der Zeitung „Il Fatto Quotidiano“. Ein anderer bemerkt: „Es tut mir um das Geld der Steuerzahler und die Zeit leid, die für diese beiden Intelligenzbestien vergeudet wurden.“ Dann mal gute Heimreise.

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