Der schiefe Turm war gestern

Pisa ist um eine Touristenattraktion reicher. Doch wie auch im Falle des berühmten schiefen Turms, weiß auch bei dem neuen Besuchermagneten niemand, wie lange er noch zu bewundern sein wird. Schließlich ist er noch jung, und wer weiß: Vielleicht hat er ja bald genug von dem Rummel, der um ihn veranstaltet wird.

Doch noch scheint sich der Delfin, den es vor wenigen Wochen nach Pisa verschlagen hat, dort pudelwohl zu fühlen. Das Tier wurde bereits am 31. Dezember zum ersten Mal im Arno, dem Fluss, der vom Tyrrhenischen Meer in die für ihr Wahrzeichen in Schieflage bekannte Stadt führt, gesichtet. Zehn Kilometer hat der Tümmler zurückgelegt vom Hafen von Pisa bis an die Ponte dell’Aurelia, eine Brücke kurz vor der Innenstadt, wo er sich nun meistens aufhält.

Seitdem sind alle verrückt nach ihm – „Tutti pazzi per il delfino in Arno“, wie die Zeitungen titeln. Das Ufer ist von Menschen gesäumt, die einen Blick auf das Tier werfen wollen. „Delfine sind soziale Tiere, und sehr neugierig“, erklärt Meeresbiologin Cecilia Mancusi im Gespräch mit der Zeitung „La Repubblica“. Sie folgten gerne Booten und es passiere schon einmal, dass sie sich in einem Fluss wiederfänden. „Aber meines Wissens hat sich ein Delfin noch nie so lange in süßem Gewässer aufgehalten.“

Aber warum aber ausgerechnet Pisa? Die Expertin geht davon aus, dass er ein Junggeselle ist, „denn normalerweise sind es die jungen Männchen, die sich von der Herde entfernen“, so Mancusi. Der Fluss führe derzeit wenig Wasser und sei daher sehr salzhaltig. „Er ist außerdem nicht so tief und wärmer als das Meer und in dieser Jahreszeit gibt es viele Meeräsche und Seebarsche, so dass auch die Futterbeschaffung weniger anstrengend ist.“

Der Delfin, für den nun nach einem Namen gesucht wird, dümpelt mal vor sich hin, mal dreht er Pirouetten um die Kanufahrer. Auch wenn er sich scheinbar wohlfühlt, wolle man ihm helfen, ins Meer zurück zu finden, so Mancusi. Doch das sei gar nicht so einfach. „Wir können ihn nicht einfach fangen, weil er davon einen Schock erleiden könnte, der ihn sogar umbringen könnte.“ Daher werde gerade über eine Barriere aus Booten oder Netzen nachgedacht. Vielleicht geht es ihm aber wie jedem Junggesellen irgendwann einmal und die Sehnsucht nach einer Partnerin treibt ihn von selbst wieder zurück ins Meer zu den Seinen.

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