Der umweltfreundliche Sonntag

Für jemanden, der die deutschen Winter gewohnt ist, ist die vierte Jahreszeit in Italien auf den ersten Blick ein Traum: Sonniges, trockenes, windarmes Winterwetter lässt die Stimmung steigen. Doch leider nicht nur die. Denn wegen genau diesen Wetterbedingungen hat das Land im Winter am meisten mit dem Feinstaub zu kämpfen. Der Traum des Mittel- und Nordeuropäers entpuppt sich somit zum Alptraum für die südeuropäische Luft.

Was auch in diesem neuen Jahr bereits wieder zu Fahrverboten in italienischen Städten führte. In der Hauptstadt nennt sich das aktuell „domenica ecologica“ – umweltfreundlicher Sonntag. Am 26. März ist es wieder soweit, dann müssen die Römer ihre Autos erneut stehen lassen. Es wird der letzte von vier im Dezember ausgerufenen Sonntagen mit Fahrverbot sein. Eine Folge der am 10. Dezember gemessenen Rekordwerte in der italienischen Hauptstadt. Fahrverbote sind in Italien aber keine Seltenheit. Schon als 2005 die EU-Richtlinie zum Feinstaub erlassen wurde, mussten die Römer donnerstags darauf achten, ob gerade oder ungerade Autonummern an der Reihe waren. Und somit alle zwei Wochen das Auto stehen lassen.

Abgesehen von Fahrverboten, ist das Autofahren in Italien im Alltag bereits reglementiert. In vielen Städten gibt es so genannte „zone traffico limitato“ – Zonen mit eingeschränktem Verkehr. Dort darf nur hineinfahren, wer eine Sondergenehmigung hat, oder ein Auto mit Elektro- oder Hybridantrieb fährt. Oft werden diese Zonen zur Touristenfalle, wenn die Besucher auf der Suche nach einem Parkplatz mit ihren Autos durch die Innenstädte irren. Ein paar Monate später lebt dann die Urlaubserinnerung noch mal auf, wenn der Strafzettel über rund 80 Euro ins Haus flattert.

An den Tagen, an denen striktes Fahrverbot herrscht, wird in Rom der öffentliche Nahverkehr verstärkt – was eher kontraproduktiv erscheint, immerhin fahren hier die ältesten Busse in ganz Europa. Um das Stadtleben aufrecht zu erhalten sind vom sonntäglichen Fahrverbot neben Elektro- und Hybridautos und solchen, die den Standard Euro 6 haben (Benziner oder Diesel) außerdem Taxis, Kranken- und Einsatzwagen ausgenommen. Auch Leichenwagen dürfen fahren.

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