Wie im Film

 

Die Oscar-Preisträger Asghar Farhadi und Bernardo Bertolucci oder auch Horrorfilm-Ikone Dario Argento. Wenn ein paar Jugendliche rufen, kommen die Granden des Kinos gerne. Nach Trastevere, auf die Piazza San Cosimato, die in dem Part des römischen Stadtteils gelegen ist, der noch nicht tagtäglich von Touristenmassen überrannt wird. Hier leben noch echte Römer, jeden Tag ist auf der Piazza Markt, auf dem Spielplatz treffen sich die Familien zum Plaudern. Und im Sommer stellen wieder jeden Abend fleißige Hände 400 Stühle auf. An 60 Abenden hintereinander werden hier große italienische und internationale Filme gezeigt. Kostenlos, wer etwas spenden möchte, darf das natürlich. Viele der Filme werden von ihrem Regisseur persönlich vorgestellt.

Zum dritten Mal findet das Open-Air-Kino, das „Festival in Piazza San Cosimato“ schon statt. Ins Leben gerufen hat es eine junge Kulturinitiative, das „Piccolo Cinema America“. Eine Hand voll junger Leute, zwischen 16 und 25 Jahre alt. Vor fünf Jahren begann die Geschichte ihres Engagements. Viele von ihnen kommen nicht aus Trastevere, sondern aus der Peripherie der Hauptstadt. Sie wollten nicht hinnehmen, dass „die einzige Form des Vergnügens für junge Leute Alkohol und Drogen“ sein sollen, so Valerio Carocci (25), der Sprecher des „Cinema America“. Es habe eigentlich als eine Art Studentenvereinigung begonnen, die jungen Leute suchten einen Raum für Diskussionen, Veranstaltungen, einen Ort, um „einfach mal zum machen“.

Gefunden haben sie das alte und verlassene „Cinema America“ in Trastevere. Ein Kino wie man es von früher noch kennt, als in den Großstädten Europas noch nicht die Multiplex-Säle die kleinen Programmkinos verdrängt hatten. Das Kino sollte bald einem Parkplatz und neuen Wohnungen weichen. Schließlich zählt das Viertel zu den angesagtesten der Stadt und die Mietpreise haben die entsprechende Höhe. Die Besetzung durch die Studenten schien eine von vielen zu werden – einzige Perspektive: die Räumung.

Doch die jungen Leute entdeckten, wo sie sich befanden und damit ihre Liebe zum Film. Sie brachten ihre Schätze, alte italienische Streifen, große Kino-Erfolge vergangener Jahr  ihren Altersgenossen näher, veranstalteten Vorführungen und Diskussionen, um die Sprache des Kinos verstehen zu lernen. Genau die nahmen sie sich vor, zu bewahren.

Dass die Räumung bis heute nicht stattfand, haben die jungen Cineasten wohl auch der Unterstützung der Kino-Welt zu verdanken. Pedro Almodóvar soll aus Cannes einen Brief geschrieben haben, in dem er sich für das „Piccolo Cinema America“ einsetzt und schon in den ersten beiden Ausgaben des Festivals auf der Piazza kamen die Regisseure und Schauspieler, um ihre Filme persönlich dem Publikum vorzustellen und sich an die Seite der jungen Kulturaktivisten zu stellen.

Auf dem Programm steht in diesem Sommer eine Mischung aus italienischen Klassikern, wie „letzter Tango in Paris“ von Bernardo Bertolucci aus dem Jahr 1972, neuen italienischen Produktionen wie „Indivisibile“, einem Film über ein singende siamesische Zwillinge, die ihrer Familie Ruhm bringen sollen von Edoardo de Angelis, und Filmen Amerikanischer Kino-Legenden wie Stanley Kubrick und David Lynch. Für Kinder gibt es früher am Abend Disney-Pixar-Filme, für mutige Erwachsene um Mitternacht Horrorstreifen.

Auch wenn im vergangenen Jahr innerhalb der zwei Monate rund 60.000 Besucher auf die Piazza strömten, war das Festival auch in diesem Jahr wieder das Ergebnis eines langen Kampfes. Zuerst hatte die Stadtverwaltung unter Bürgermeisterin Virginia Raggi ihre Unterstützung zugesagt, dann aber wieder eine Rückzieher gemacht. Nur Dank des Einsatzes der Präsidentin des zuständigen Stadtteils, Sabrina Alfonsi, sei die Genehmigung dann doch gekommen, so die Organisatoren. Neun Monate bangen, debattieren, Anträge ausfüllen – bis am Ende dann doch die große Leinwand auf der Piazza wieder aufgebaut werden konnte.

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