2 Euro für die Götter Roms

Für den Besuch in der ewigen Stadt sind zwei Tage nicht ausreichend – alleine mehrere Stunden verbringt der Städtereisende hier in irgendwelchen Warteschlangen. Bislang war zumindest der Zugang zum Pantheon im Herzen der italienischen Hauptstadt eine auch für die Bewohner Roms erfreuliche Ausnahme: das wohl schönste Monument der Stadt wurde bisher meistens von langen Warteschlangen verschont. In Stoßzeiten wird zwar der Einlass geregelt, aber auch dann steht man kaum länger als fünfzehn Minuten auf dem Vorplatz an. Und das, obwohl das Pantheon mit in diesem Jahr rund acht Millionen Besuchern das meistbesuchte Monument Roms ist.

Doch bald wird der stetige Besucherfluss ins Stocken geraten. Denn eine eiserne Regel Roms, dass der Eintritt in katholische Kirchen prinzipiell kostenlos ist, wird nun gebrochen. Vom 2. Mai kommenden Jahres an muss, wer den größten erhaltenen Kuppelbau der Antike besichtigen möchte, zunächst einmal zwei Euro bezahlen. Was bereits seit einem Jahr diskutiert wird, wurde nun mit einem Abkommen zwischen dem italienischen Kulturministerium und dem Bistum Roms besiegelt. Die Einnahmen sollen für die Instandhaltung und die Sicherung des Monuments eingesetzt werden.

Laut Bistum halte man weiter daran fest, dass der Besuch von Kirchen kostenlos sei. Denn schließlich werde zu den Zeiten des Gottesdienstes am Samstagnachmittag und Sonntagmorgen kein Eintrittsgeld verlangt. Das Pantheon, um 114 begonnen und unter Kaiser Hadrian zwischen 125 und 128 fertiggestellt, war ursprünglich als Tempel der Gesamtheit der Götter Roms geweiht, daher auch der Name. Anfang des siebten Jahrhunderts wurde der beeindruckende Kuppelbau zur Kirche „Sancta Maria ad Martyres“ umgewidmet. Heute finden sich hier unter anderem die Gräber italienischer Könige und des Renaissancemalers Raffael. Bekannt ist der Bau vor allem wegen seiner architektonischen Besonderheit: ein kreisrundes Loch in der Kuppel mit einem Durchmesser von neun Metern ist die einzige Lichtquelle der Kirche, deren Schlichtheit und Größe sie für viele zur schönsten Kirche Roms machen.

Wo genau die Tickets zu kaufen sein werden, ist noch unklar: Aus dem Ministerium heißt es, sie würden wie auch die Biglietti für den Bus und die zwei Metro-Linien, ganz profan bei den Zigarettenhändlern und Zeitungskiosken in der Innenstadt erhältlich sein. Auch eine App für das Smartphone könnte es bald geben. Andere sprechen von einem Tickethäuschen am Pantheon selbst.

„Das ist eine traurige Entscheidung“, sagt Luca Bergamo, der Vize-Bürgermeister von Rom, der in der Hauptstadt für die Kultur zuständig ist. Er war von Anfang an gegen ein Eintrittsgeld für das Pantheon. Das zeige mal wieder, dass die Freude an der Kunst hauptsächlich als Magnet für Touristen interpretiert werde anstatt als Vermittler für die Bildung und das Wohlbefinden der Menschen, so seine Kritik. Er werde bei der nächsten Regierung – gewählt wird in Italien im kommenden Frühjahr – dafür kämpfen, dass die Entscheidung zurückgenommen wird. Seine ursprüngliche Drohung, sich vor dem Pantheon anzuketten, hat Bergamo bisher nicht wahr gemacht.

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