Schlittenfahren im Circus Maximus

Der Marktplatz im römischen Stadtteil Trastevere ist unter einer weißen Decke verschwunden. Dort wo sonst die Händler Obst und Gemüse feilbieten, steht an diesem Montagmorgen ein kleiner Schneemann. Sandro (9), Pietro (9) und Riccarco (12) flitzen über den Platz und jagen sich mit Schneebällen. „Super“, findet Sandro den Schnee, „und zur Schule müssen wir auch nicht.“ Ein paar Ecken weiter hat sich auch der antike Circus Maximus in ein Wintermärchenland verwandet: Statt wie Ben Hur in seinem Wagen, rasen die Römer auf Schlitten oder einfachen Tüten durch die einstigen Arena.

Acht Stunden hat es in Rom in der Nacht geschneit, fünf bis zehn Zentimeter Schnee meldet der Wetterdienst 3bmeteo. Das reicht, um das öffentliche Leben in der Millionenstadt zum erliegen zu bringen. Schon am Sonntag kommt die Eilmeldung: Alle Schulen in Rom bleiben an diesem Montag geschlossen. Die Bewohner werden von der Stadt aufgerufen, sich möglichst wenig fortzubewegen. Was für nördlichere Gemüter winterliche Normalität ist, versetzt die ewige Stadt in einen Ausnahmezustand. Manch einer erinnert sich an das Jahr 1985, als es schon einmal „so viel“ geschneit hat. Andere verweisen auf das Jahr 2012, in dem es zum letzten Mal Schnee in Rom gab.

Die Straßen sind bereits wieder frei, der Schnee schmilzt schnell. Die Nachrichtensender im Fernsehen senden dennoch in Dauerschleife aus der italienischen Hauptstadt. Das Kolosseum bleibt an diesem Tag geschlossen, die Busse kommen noch seltener als sonst, manche Linie wird gar nicht befahren. An den Bahnhöfen Termini und Tiburtina sind die Passagiere gestrandet – die Züge sind bis zu drei Stunden verspätet. Nicht nur in der Hauptstadt, in ganz Italien ist es derzeit ungewöhnlich kalt. In der Apennin-Bergregion sollte es nachts bis zu minus 20 Grad kalt werden. Vorausblickende Römer machen sich schon Sorgen um den kommenden Tag. In der Nacht zum Dienstag sind auch in Rom bis zu minus sieben Grad vorausgesagt. Aus dem nun schmelzenden Schnee dürfte sich damit eine gefährliche Eisdecke auf den Straßen bilden.

 

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