Venedigs Stadtbummel-Gebühr

Wer nach Venedig kommt, staunt nicht schlecht: Nicht nur die romantische Kulisse der weltbekannten Lagunenstadt verschlägt einem den Atem, sondern auch die Masse an Menschen, die sich durch die pittoresken Gassen schieben. Dabei leben in Venedig nur noch etwas mehr als 50.000 Menschen. 1990 waren es noch 78.000. Demgegenüber stehen 100.000 Besucher täglich, aufs Jahr gerechnet ist von 30 Millionen Touristen die Rede. So genau weiß das niemand. Auch das ist ein Grund dafür, dass der Bürgermeister nun beschlossen hat, von diesem Sommer an Eintritt für seine Stadt zu verlangen.

Das Ticket für Tagesbesucher ist beschlossene Sache. Sie zahlen bisher – anders als Besucher, die eine Hotelübernachtung gebucht haben – keine Touristenabgabe, hinterlassen aber Tonnen von Abfall und verstopfen die engen Straßen und Brücken. Allein die Kosten für die Entsorgung des Mülls, der auf das Konto von Tagesbesuchern geht, beziffert die Stadt mit 30 Millionen Euro.

Es gehe nicht darum, Kasse zu machen, betont Bürgermeister Luigi Brugnaro. „Aber Venedig ist kein Vergnügungspark, sondern eine Stadt, in der gelebt wird und die gepflegt werden muss.“ Man wolle außerdem kontrollieren, wieviele Menschen tatsächlich nach Venedig kommen. Bislang werden nur die Übernachtungsgäste gezählt. Die Gebühr soll im Mai mit drei Euro starten, ab dem kommenden Jahr soll sie je nach Besucheraufkommen zwischen drei und zehn Euro betragen, vier Tarifstufen sind vorgesehen. Ab 2022 soll zusätzlich eine Reservierung Pflicht werden.

Die ersten, die die Gebühr werden bezahlen müssen, sind die Kreuzfahrttouristen. An den Terminals ist die Kontrolle am einfachsten. Später sollen dann auch Besucher, die mit kleineren Booten, Bussen oder dem Zug anreisen, zur Kasse gebeten werden. Die Gebühr soll direkt auf den eigentlichen Fahrpreis draufgeschlagen werden. So kostet im Moment ein Zugticket von Mailand nach Venedig 32,50 Euro. Ab Januar sollen für Nicht-Venezianer bei der Buchung automatisch drei Euro obendrauf kommen. Wer unter die Ausnahmeregelung fällt, erhält einen Code, mit dem das Ticket bei der Buchung wieder auf den Ursprungspreis zurückgesetzt wird. Auch wer mit dem Auto kommt, soll bezahlen, doch wie genau, wird noch beraten.

Einwohner Venedigs sind selbstverständlich von der Gebühr ausgenommen, dazu weitere 18 Kategorien. So können Verwandte von Venezianern, oder wer in Venedig arbeitet, studiert oder zu einem Gerichtstermin muss, die Stadt weiterhin gratis betreten. Auch Kinder unter sechs Jahren und Menschen mit Behinderung werden von der Gebühr ausgenommen.

Wie viel Geld auf diesem Weg eingenommen werden kann, wisse man noch nicht, so Bürgermeister Brugnaro. Aber es soll dafür eingesetzt werden, die Extra-Kosten für die Venezianer zu verringern, die durch den Tourismus aufkommen. Giovanni Di Giorgio gefällt die Idee, die Besucherzahlen zu kontrollieren. Allerdings steht der 25-jährige Venezianer dem neuen Konzept noch skeptisch gegenüber: „Ich habe doch große Zweifel daran, was die Strenge und die Effektivität der Kontrollen angeht.“ Ein endgültiges Urteil will er sich deshalb erst bilden, wenn das Ticket eingeführt wurde.

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